19/01/2026
Gestern habe ich Melanie , unsere "Mel" , in Amsterdam auf der Schallplattenbörse von RecordPlanet wieder gesehen. Zum ersten Mal seit sehr vielen Jahren. Ein Wiedersehen, das sich leise angekündigt hat und dann mit voller Wucht da war. So eines bei dem man erst später merkt wie tief es eigentlich gegangen ist.
Mel ist seit langer Zeit mit Stephan verheiratet. Stephan hat den tollen Laden Onion Vinyl in Folkestone , UK. Ihr gemeinsames Leben ist längst gewachsen, vertraut, voller gemeinsamer Wege. Der Brexit hat vieles davon kompliziert gemacht , vor allem das Reisen und den Handel auf dem europäischen Festland. Grenzen sind enger geworden, Begegnungen seltener. Und doch war sie plötzlich wieder da. Ganz real. Ganz nah.
Für Jorg war Mel nie einfach nur eine Bekannte aus der Szene.
Sie war ein Mensch bei dem er sich aufgehoben gefühlt hat. Einer von denen bei denen nichts erklärt werden musste.
Jorg hat Schallplattenbörsen eigentlich gehasst. Der Lärm, die Hektik, das frühe Losfahren, die langen Strecken . All das hat ihn eher abgeschreckt. Aber Mel war die Ausnahme. Wenn er wusste dass sie vor Ort war wurde aus Widerstand Bereitschaft. Dann ist er gerne mitgekommen. Nicht wegen der Platten. Sondern wegen ihr.
So sind wir als kleine Familie losgefahren. Zusammen mit Benny, unserem liebenswerten Mischlingshund, dem Herz der Familie.
Zwolle. Amsterdam. Mons in Belgien.
Diese Fahrten waren mehr als Strecken auf der Landkarte. Sie waren unsere Zeit. Unser kleines eigenes Universum.
Benny, aufgeregt und neugierig, mit den Ohren im Wind, zwischen uns laufend oder im Auto auf der Rückbank zusammengerollt hat alles noch wärmer gemacht.
Und unterwegs..... Gespräche, Lachen, Musik, Stille.
Momente, die sich einfach richtig angefühlt haben.
An den Zielen..... Jorg und Mel nebeneinander, vertieft in ihre Gespräche über Politik, Popkultur, das Leben, das kaputte und das schöne in der Welt.
Und alles wirkte selbstverständlich, richtig.
Sie konnten stundenlang reden.
Über Politik ohne sich zu verlieren.
Über Popkultur mit Neugier und Witz.
Über das was gerade schief lief in der Welt und über das was trotzdem wichtig blieb.
Es war dieses seltene Gespräch auf Augenhöhe.
Dieses "Ich sehe dich“ ohne große Gesten.
Nach dem Brexit haben wir Mel und Stephan nicht mehr gesehen. Die Jahre sind vergangen. Das Leben hat Spuren hinterlassen. Und dann kam der Moment der alles verändert hat....
Jorg ist 2022 gestorben. Mit ihm so viele Gespräche, so viele Begegnungen, so viele Selbstverständlichkeiten.
Gestern in Amsterdam konnten wir endlich wieder sprechen. Wirklich sprechen.
Über das Früher.
Über das Vermissen.
Über das, was nicht mehr heil wird und das was trotzdem bleibt.
Wir haben auch über Jorg gesprochen. Über seinen Tod. Über das Loch das er hinterlassen hat. Und darüber wie sehr er fehlt . Es war schwer. Aber es war richtig. Denn Mel war jemand die Jorg wirklich kannte. Die wusste wie er dachte, wie er fühlte. Und die ihn genau dafür geschätzt hat.
Manche Menschen begleiten ein Stück unseres Weges.
Andere begleiten unser Herz ein Leben lang , selbst wenn wir uns jahrelang nicht sehen.
Dieses Wiedersehen war kein Zufall.
Es war Erinnerung.
Es war Nähe.
Und es war Liebe in einer Form die bleibt.
Thanks Mel