22/02/2026
Sonntagsgedanken... Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass wir nach Senden/ Westfalen gezogen sind. Seit zweieinhalb Jahren stehen Leque und ich bei Miryam Husain - Zentrum für pferdegerechtes Reiten auf einer Insel, auf der oberflächliche Eitelkeit und Geltungsdrang keinen Platz haben. Hier ist ganz viel Platz für einen eigenen Weg der Entwicklung. Und für die Erkenntnis, dass der Weg das Ziel ist. Ein Weg, der aus vielen kleinen Schritten besteht, die sich aneinander reihen und die sich ergänzen. WAS für ein Unterschied zu den "normalen" Ställen, in denen ich meine Pferde zuvor gehalten habe! In einem Umfeld, in dem die meisten Reiter nicht über E (Einsteiger) oder bestenfalls A (Anfänger) hinaus kommen. In dem das Reiten auf "solidem E-A Niveau" nach Informationen aus Insiderkreisen Ziel einer dreijährigen (man bedenke: dreijährigen!) Ausbildung ist. Sogenannte "höhere Lektionen" sind hier nur einer sogenannten "Elite" vorbehalten, die mit diesem Privileg versucht, zu glänzen und zu blenden. Obwohl das voll am Sinn der Dressur vorbei geht, die doch eigentlich die Grundlage allen Reitens ist. Die Grundlage der Kommunikation und der Verbindung von Pferd und Reiter in allen Disziplinen. Susanne Drescher hatte es neulich sehr treffend formuliert: die Menschen wollen sich gar nicht wirklich entwickeln, sondern bevorzugen es, ihre Probleme zu behalten. Sich auf einen weniger ausgetrampelten Pfad zu begeben, der zu neuen Horizonten führt - weit über E-A Niveau hinaus ist eben auch etwas unbequem. Und vor allem geht es nicht schnell, sondern nur mit Zeit. In Ruhe, Konzentration und Konsequenz und vor allem: Ehrlichkeit. Ehrlichkeit sich selbst, dem Pferd und dem Umfeld gegenüber. Nachsichtig im Hinblick auf die eigene Unvollkommenheit. Und konsequent darin, sich entwickeln zu wollen. Für alle Zukunft und dem Pferd zuliebe. Denn alle Dressur ist letztlich Bodybuilding für's Pferd, das sich auch auf das Mindset auswirkt. Entscheidend ist, zugeben zu können, dass man etwas nicht perfekt beherrscht, sondern dass "noch Luft nach oben ist". Und: ist das nicht eine schöne Perspektive, sich weiter zu entwickeln, immer und immerzu in "höhere Lagen" aufzusteigen? Ohne Wettbewerb außer mit sich selbst? Was für ein Fest, wenn das Pferd freudig und energetisch wird und voller Anmut der kaum wahrnehmbaren Einwirkung des Reiters folgen kann, oder? Das ist ein Reifeprozesses für Pferd und Reiter. Und wenn man das Glück hat einen Ausbilder zu finden, der einen dabei begleitet und fördert, sollte man keine Zweifel haben oder etwas "lieber nicht" weiter führen, bloß weil es mit etwas Anstrengung verbunden ist. Ratschläge in den Wind zu schlagen, die einen weiter bringen, bloß, weil man sich vielleicht (oder hoffentlich) ertappt fühlt ist nicht bequem, sondern ignorant und eines intelligenten Wesens eigentlich nicht würdig. Zumal es zu Lasten der Pferde geht, deren Wohlbefinden doch eigentlich jedem Pferdemenschen am Herzen liegt. Ein Beispiel aus meiner Praxis: eine Reitschülerin, eine intelligente Frau und erfahrene Reiterin, die mit ihrem Pferd einfach nicht weiter kam, hatte einige Einheiten bei mir Unterricht. Sie war jedes Mal "total geflasht", weil sie so etwas noch nie gefühlt hatte. Ihr 8jähriger Oldenburger war in den wenigen Einheiten so wunderbar unter ihr gelaufen, dass es mich hoffnungsvoll stimmte. Doch plötzlich teilte mir diese Dame (während des Unterrichts) mit, dass sie die Übungen, die ich von ihr und ihrem geliebten Pferd verlangte, so nicht reiten wolle. Sie seien zu anstrengend für das Pferd. Aha. Für das Pferd. Echt jetzt? Oder für sie selbst? Jedenfalls hatte die Dame dann wohl eine Erleuchtung und ihre Erfahrungen spielten keine Rolle mehr. Der Achtjährige sieht übrigens heute mindestens wie ein 18jähriger Frührentner aus. Aber so war es einfacher - für's Pferd...