23/08/2026
𝗡𝗮𝗰𝗵 𝗿𝘂𝗻𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗮𝗰𝗵𝗲 𝗶𝗺 𝗡𝗮𝗴𝗲𝗹𝘀𝘁𝘂𝗱𝗶𝗼
Copes Kugelfingergecko, Sphaerodactylus copei
Sphaerodactylus copei ist eine kleine Geckoart aus der Familie der Sphaerodactylidae, die endemisch auf den Westindischen Inseln, insbesondere auf der Tiburon-Halbinsel in Haiti, vorkommt. Die Art wurde auch auf die Bahamas eingeschleppt; dort entstanden auch die Fotos. Diese Tiere bewohnen sowohl feuchte als auch sehr trockene Gebiete. Dazu gehören bewaldete Regionen, trockenes Buschland sowie Bananen- und Kaffeeplantagen. Aufgrund ihres enormen Feinddrucks und ihrer winzigen Körpergröße leben sie versteckt am Boden und meiden direkte Sonne. Man findet sie meistens unter Steinen, verrottenden Baumstämmen, abgefallenen Blättern oder abgestorbenen Agaven. Bei Sphaerodactylus copei gibt es einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen unterscheiden sich farblich so stark voneinander, dass man sie leicht für zwei verschiedene Arten halten könnte. Die Grundfarbe des Rückens der Männchen reicht von blaugrau über braun bis hin zu grünlich. Über den Körper verstreut liegen oft auffällige, rostfarbene oder purpurbraune Schuppen. Das markanteste Merkmal der Männchen ist der Kopf. Dieser ist leuchtend gelb-grün oder intensiv rost-orange gefärbt. Der Rücken der Weibchen ist meist blasser und variiert zwischen hellgrau, blaugrau und dunkelbraun. Er wird von ein bis vier dunklen Querbändern durchzogen. Ein charakteristisches Merkmal der Weibchen ist ihr tiefschwarzes Halsband, in das meist vier kontrastierende weiße Augenflecke eingebettet sind. Der Kopf zeigt ein Linienmuster aus blassgrünen oder kräftig braunen Streifen auf einem grauen oder blaugrauen Untergrund. Im Habitat herrschen tagsüber 24 bis 28 °C. An einem exponierten Platz können 30 bis 32 °C erreicht werden. Nachts kühlt die Temperatur auf ca. 20 bis 22° C ab. Da die Art sowohl feuchte als auch trockene Gebiete bewohnt, ist eine moderate, aber schwankende Luftfeuchtigkeit zwischen 60 bis 70 % gegeben. Nachts steigt die Luftfeuchtigkeit auf 80 bis 90 % an. Sphaerodactylus copei gehört zu den reinen Insektenfressern. Aufgrund der geringen Gesamtlänge von 7- 8 cm können diese Geckos nur kleine Beutetiere überwältigen.
In einem kleinen, gut strukturierten Terrarium ist die Haltung der kleinen Geckos und deren Zucht sehr gut möglich. Wichtig ist eine permanent leicht feuchte kleine Dose mit feuchtem Moos für die Eiablage und die gute Häutung der Geckos. Wichtig ist die abwechslungsreiche Ernährung mit winzigen Futtertieren. Dazu gehören Fruchtfliegen, Springschwänze, Asseln, Erbsenblattläuse, Mikroheimchen und Ofenfischchen. Erwachsene Shaerodactylus copei werden drei- bis viermal pro Woche gefüttert. Jungtiere im Wachstum benötigen täglich Futter. Pro Tier reichen meist drei bis fünf kleine Futterinsekten pro Mahlzeit. Überschüssiges Futter sollte nicht tagelang im Terrarium verbleiben. Da diese Echsen schnell an Mangelerscheinungen (wie Rachitis) erkranken, ist das Bestäuben der Futtertiere Pflicht. Zu fast jeder Fütterung gehört Kalziumpulver, um den Knochenbau und bei den Weibchen die Schalenbildung der Eier zu unterstützen. Vitamin D3 ist wichtig für die Kalziumaufnahme. Die Futtertiere sollten mindestens einmal pro Woche mit einem passenden Vitamin-Präparat eingestäubt werden.
Die Nachzucht von Sphaerodactylus copei im Terrarium ist für erfahrene Terrarianer gut möglich, erfordert aufgrund der Winzigkeit der Tiere jedoch Fingerspitzengefühl. Die Art gilt als produktiv, sofern die Parameter stimmen. Die Paarung verläuft meist unkompliziert. Das Männchen packt das Weibchen mit einem Paarungsbiss im Nacken. Wie fast alle Kugelfingergeckos legen die Weibchen immer nur ein einzelnes Ei pro Gelege. Bei guter Fütterung und optimalen Temperaturen kann ein gesundes Weibchen alle zwei bis drei Wochen ein neues Ei legen. Die Eier werden versteckt abgelegt – bevorzugt in Ritzen von Korkrinde, in leeren Schneckenhäusern, kleinen Filmdosen oder direkt in einer feuchten Box. Die Eier sind hartschalig und werden oft an den Untergrund angeklebt. Die Eier können im Terrarium belassen werden, wenn keine Fressfeinde (wie räuberische Asseln) vorhanden sind. Sicherer ist das Überführen in einen Inkubator: Das Ei wird auf leicht feuchtes Vermiculite, Perlite oder trockenes Moos gebettet. Hartschalige Eier dürfen nicht direkt nass werden, da sie sonst verpilzen. Optimal sind konstante 26 bis 28 °C. Je nach Temperatur schlüpfen die Jungtiere nach etwa 60 bis 90 Tagen. Die Babys sind winzig und oft kaum größer als 1,5 bis 2 cm Gesamtlänge. Jungtiere sollten unbedingt separat in kleinen, ausbruchssicheren Dosen mit Walderde, etwas Moos und Rindestücken aufgezogen werden. Sie fressen in den ersten Wochen ausschließlich frisch geschlüpfte Springschwänze, kleine Zwergasseln und frisch geschlüpfte Drosophila melanogaster. Jede Mahlzeit muss unbedingt mit feinem Kalzium- und Vitamin-D3-Pulver bestäubt werden. Die kleinen Geckos trocknen schnell aus. Ein tägliches, feines Sprühen ist überlebenswichtig, Staunässe muss aber vermieden werden. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als potenziell gefährdet eingestuft. Der Hauptgrund hierfür ist der fortschreitende Verlust ihres Lebensraums durch die Holzkohleproduktion und Rodungen.
Roland Zobel