17/02/2025
Hey Leute,
Ich poste hier leider nur noch sehr selten was und möchte jetzt diesen Kanal nutzen um euch die traurige Nachricht zu übermitteln, dass Michael “Doc” Schneider leider nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben ist. Mir fällt es extrem schwer hier die passenden Worte zu finden, da ich weiß wie viele von euch Michael schon seit Jahren kannten und bei ihm in seiner Werkstatt ein- und ausgegangen sind. Jeder von euch wird seine eigene und ganz persönliche Geschichte mit Michael gehabt haben und er wird eine sehr große Lücke in dieser kleinen und sehr speziellen Gitarrenwelt hinterlassen. Mein tiefstes Beileid gilt seiner Frau Sandra und seiner Mutter. Die nächsten Worte sind für dich, Michael:
“Lieber Michael,
Ich weiß noch ganz genau, als ich vor Jahren mit dem gitarrenschrauben angefangen habe, über dich und dein Buch gestolpert bin. “Guitar Service Manual” von Michael “Doc” Schneider. Ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass in diesem Buch soviel Expertise und Historie steckt und sowas nur jemand verfassen kann, der wirklich ganz viel Ahnung von seinem Job hat. Ich hab dein Buch wirklich aufgesogen und dachte mir bei jeder Seite immer: “Wow, wie schaff ich das bloß nur ansatzweise so viel Wissen und handwerkliches Geschick wie du aufzubauen? Das ist doch eigentlich unmöglich.” Dein Buch wurde zur meiner kleinen Fibel, was mir meine Anfänge wirklich sehr erleichtert hat. Du warst seitdem eigentlich von Tag 1 an immer ein Begriff für mich. Selbst heute greife ich immer wieder noch zu deinem Buch. Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder Kunden und Kundinnen miteinander geteilt. Trotzdem waren es für mich immer die “Schneider-Kunden”. Also deine Leute. Die Leute die nur zu dir wollten, weil sie dich kannten und schätzten und sie so viel von deiner Arbeit hielten. Du warst einfach der Doc. Ich erkenne heute noch jeden Fretjob oder Sattel von dir. Ich fühle die abgerundeten Bundenden, merke die Sattelhöhe und weiß immer sofort dass diese Arbeit von dir war. Einfach immer makellos tolle Arbeit. Ich wollte dich immer mal wieder angerufen haben, um mich vorzustellen oder sich einfach miteinander zu connecten. Aber wie das leider auch in unserem Genre so ist, ist das immer wieder in den Hintergrund geraten. Irgendwann hast du dich etwas zurückgezogen und ein Sabbatjahr von ganzen Reparaturen genommen. Du hast dich vermehrt um deine Neubauten gekümmert. Deine 25 Serie. Ohne den ganzen Kundenstress, der in unserem Berufsbild Hand in Hand miteinander geht. Letztes Jahr haben wir es trotzdem geschafft uns zu begegnen. Als du ziemlich unvermittelt in meiner Werkstatt mit deiner Frau Sandra aufgeschlagen bist. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Genauso wenig wie der Besuch danach in deiner Werkstatt, wo wir gute Gespräche miteinander hatten. Ich hätte gerne noch viel weiter mit dir über Fretjobs philosophiert, den ganzen Stress mit dir weggelacht und dich weiter als Menschen kennengelernt.
Deine Werkstatt ist dein Lebenswerk und dein kleines und zugleich großes Vermächtnis. Jeder Winkel riecht nach unendlich viel Geschichte und Erfahrung. Als ich am Wochenende da war, hatte ich das Gefühl, dass du jeden Augenblick zurückkommst und weiter arbeitest. Ich möchte, dass dein Lebenswerk weiterlebt und beständig fortgeführt wird. Mit der gleichen Leidenschaft und Expertise so wie du es gelebt hast. Ich sehe deine Sachen als eine kleine Leihgabe, mit der ich dankend arbeiten darf. Es wird immer dein Zeug bleiben und ich verspreche dir, dass ich gut drauf Acht geben werde. Ich hätte mir so sehr für dich gewünscht, dass du mit Sandra im Sommer am Strand spazieren gewesen wärst. So wie du das vorgehabt hattest. Irgendwann treffen wir beide uns zu späterer Stunde bei mir in der Werkstatt und dann kannst du mir kleinen Anfänger zeigen, wie du deine 25 Serie gebaut hast. Du wirst unvergessen bleiben, das verspreche ich dir.”
Machs gut, mein lieber.
Ich freu mich, wenn wir uns irgendwann wiedersehen.
In tiefer Trauer,
Paul
Michael “Doc” Schneider
*03.05.1963
+09.02.2025