12/08/2026
Das offene, flexible Büro, wie wir es heute kennen, ist eine deutsche Erfindung. Und zwar aus Quickborn bei Hamburg.
Ende der 1950er hatten zwei Brüder genug von dem, was damals als modernes Büro galt: Große Räume, in denen Schreibtische in Reihen standen wie in einer Schulklasse. Wer weiter oben in der Hierarchie stand, saß weiter vorn. Effizient auf dem Papier, freudlos in der Praxis.
Eberhard und Wolfgang Schnelle wollten das anders angehen. Ihre Idee: Nicht die Hierarchie bestimmt, wer wo sitzt, sondern die tatsächlichen Arbeitsabläufe und die Frage, wer mit wem sprechen muss. Dazu kamen Pflanzen, Teppichböden, Akustikdecken und Trennwände. Nicht als Deko, sondern damit das Arbeiten in einem großen Raum überhaupt erträglich wird.
Sie nannten es Bürolandschaft.
Eines der ersten großen Projekte war Bertelsmann in Gütersloh, wo rund 270 Mitarbeitende in einem völlig neuartigen Großraum arbeiteten. Firmengründer Reinhard Mohn setzte sich demonstrativ mit dazwischen.
Von dort ging das Konzept um die Welt. Die Planer, später als Quickborner Team bekannt, berieten in den USA, und die New York Times nannte sie "The German Radicals". Das Wort Bürolandschaft wanderte unübersetzt ins Englische, weil es dafür einfach keinen besseren Begriff gab.
Was wir daran spannend finden: Die Grundidee von 1958 klingt genau wie das, was heute unter New Work diskutiert wird. Räume, die sich an der Arbeit orientieren und nicht am Organigramm. Rückzugsmöglichkeiten. Und der Gedanke, dass ein Büro für Menschen gemacht ist und nicht nur für Quadratmeter-Effizienz.
Manche gute Idee braucht offenbar mehrere Jahrzehnte, bis sie wirklich ankommt.
👉 Wie ist es bei Ihnen: Folgt die Sitzordnung eher den Arbeitsabläufen oder eher der gewachsenen Struktur? 😄
Paul Eilfeld Geschäftsführer von Büromöbel Experte GmbH