DDR-Buch

DDR-Buch Versandbuchhandlung von Heike Arlt und Kooperationspartner Fred Sonntag.

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Zwei Jahre, bevor Heidemarie Wenzel und Winfried Glatzeder als Paula und Paul ein DEFA-Mythos wurden, standen sie schon ...
09/06/2026

Zwei Jahre, bevor Heidemarie Wenzel und Winfried Glatzeder als Paula und Paul ein DEFA-Mythos wurden, standen sie schon einmal gemeinsam vor der Kamera. 1971, in Siegfried Kühns Verfilmung von Herbert Ottos „Zeit der Störche". 5,8 Millionen Kinobesucher.

Vielen ist der Film noch lebhaft in Erinnerung — der Roman aber, auf dem er beruht, ist heute halb vergessen. Zu Unrecht. Otto erzählt in 28 kurzen Kapiteln eine Liebesgeschichte zwischen einer Lehrerin und einem Bohrarbeiter, die ohne jede ideologische Schwere auskommt. Stattdessen: eine genaue Beobachtung dessen, was zwei Menschen miteinander machen, wenn sie sich begegnen.

Über den Roman, seinen Autor, die DEFA-Verfilmung und die literarische Tonart der DDR-Prosa um 1966 — den ausführlichen Feuilletonartikel und Tiefenanalyse gibt es auf

👉https://magazin.ddrbuch.de/2026/06/08/zeit-der-stoerche-von-herbert-otto/

https://shop.ddrbuch.de/produkt/zeit-der-stoerche/🎬 Ein rebellischer Bohrarbeiter, eine gestohlene Rose im Senfglas und ...
08/06/2026

https://shop.ddrbuch.de/produkt/zeit-der-stoerche/

🎬 Ein rebellischer Bohrarbeiter, eine gestohlene Rose im Senfglas und ein riesiger DEFA-Kinoerfolg... Wer von euch kennt noch "Zeit der Störche"? 📖👇

Wenn wir heute an DDR-Literatur der 60er Jahre denken, haben viele sofort das Klischee vom braven Arbeiter vor Augen, der nach Feierabend glücklich seine Planzahlen studiert. Aber Herbert Ottos Roman „Zeit der Störche“ (erschienen 1966 im Aufbau-Verlag) beweist genau das Gegenteil!

Hier geht es um Christian, einen Tiefbohrer auf Montage in der Provinz. Er klaut Hühner von der örtlichen Genossenschaft, trinkt mehr Bier, als gut für ihn ist, und bricht nachts in die alte Dorfschule ein, nur um der jungen Lehrerin Susanne nahe zu sein. Keine glattgebügelten Helden, sondern echte Menschen mit Ecken, Kanten und ordentlich Fluchtwörtern auf den Lippen! 🛠️🍻

Das Buch war damals so unfassbar beliebt, dass es schon 1972 in der 7. Auflage gedruckt wurde. Der absolute Ritterschlag kam dann 1971: Die DEFA verfilmte die Geschichte mit Winfried Glatzeder und Heidemarie Wenzel in den Hauptrollen. Ein echter Kinohit, der eine ganze Generation geprägt hat! 🎥🍿

Wir haben dieses wunderbare Stück Literaturgeschichte gerade für unseren Shop neu analysiert und sind begeistert von der absoluten Ehrlichkeit dieses Buches. Es zeigt den harten Arbeitsalltag, aber auch die Sehnsucht nach echter Liebe und Freiheit – abseits von Parteisitzungen und gesellschaftlichen Vorgaben.

💬 Jetzt seid ihr dran: Erinnert ihr euch noch an den DEFA-Film mit Glatzeder? Oder habt ihr damals sogar das Buch von Herbert Otto verschlungen? Schreibt uns eure Erinnerungen in die Kommentare – wir sind gespannt! 👇

https://shop.ddrbuch.de/produkt/auf-dem-fluge-nach-havanna-3/Wer von euch kennt noch den unverwechselbaren Zeichenstil v...
05/06/2026

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Wer von euch kennt noch den unverwechselbaren Zeichenstil von Gertrud Zucker? 🖌️🟡

Wenn der Name Horst Beseler fällt, denken wir alle sofort an die legendäre "Käuzchenkuhle". Aber 1973 erschien im Kinderbuchverlag Berlin ein weiteres, ganz besonderes Werk von ihm: „Auf dem Fluge nach Havanna“.

Dabei geht es anfangs gar nicht in die Karibik, sondern tief hinein in einen staubigen Berliner Hinterhof. Flirrende Sommerhitze, Baggerkrach von der Baustelle nebenan und der verzweifelte Versuch, mit zäher Gummilösung einen kaputten Fahrradschlauch zu flicken. 🚲☀️

Doch dann taucht plötzlich ein sowjetischer Diplomat mit einem schwarzen Tschaika auf – und ein altes, dramatisches Geheimnis aus der Kriegszeit rund um einen unscheinbaren Klempner mit „Feuerflecken“ im Gesicht kommt ans Licht. Aus dem banalen Alltag wird eine Lektion über weltweite Verbundenheit.

Beseler schaffte es hier meisterhaft, große Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger, dafür aber mit viel Herz und kindlicher Schnoddrigkeit zu erzählen.

📖 Habt ihr "Auf dem Fluge nach Havanna" damals gelesen oder hattet ihr es im Regal stehen? Und mal ehrlich: Wer von euch hat früher auch stundenlang am Fahrrad geschraubt und Schläuche im Wasserbad geprüft?

Schreibt es uns in die Kommentare! 👇

https://shop.ddrbuch.de/produkt/lehrbuch-fuer-den-berufskraftfahrer/Nur Lenken und Schalten? Von wegen! Wer dieses Buch ...
03/06/2026

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Nur Lenken und Schalten? Von wegen! Wer dieses Buch durchhatte, konnte einen W50 blind zerlegen und wieder zusammenbauen. 🛠️📖

Wir haben heute ein echtes Schwergewicht der DDR-Berufsausbildung für euch auf dem Tisch: Das "Lehrbuch für den Berufskraftfahrer (Teil 1: Fahrzeug- und Motorenkunde)" aus dem transpress Verlag (Erscheinungsjahr 1970).

Wer damals beruflich hinter das Steuer eines Lkw oder Omnibusses wollte, musste ein technisches Wissen mitbringen, bei dem vielen heutigen Mechatronikern die Ohren schlackern würden. Ein Fahrer war nicht nur Fahrer – er war Diagnostiker und Schlosser auf der Landstraße.

Ein paar Highlights aus dem Inhaltsverzeichnis:

Physik pur: Achslasten wurden nicht geschätzt, sondern sauber über das Hebelgesetz berechnet.

Keine Wegwerfmentalität: Das Buch lehrt nicht den Austausch, sondern die Instandsetzung. Ein gerissener Fahrgestellrahmen? Da wurde das Rissende abgebohrt, Knotenbleche aufgenietet und verschweißt!

Strenge Normen: Alles war exakt nach TGL und StVZO reglementiert – bis hin zu den physiologischen Grenzwerten der Schwingungen auf dem Fahrersitz.

Die extrem detaillierten Schnittzeichnungen (vom Differentialgetriebe bis zur Drehkolben-Einspritzpumpe) sind ein Traum für jeden Technik-Nerd und Schrauber. ⚙️

Jetzt seid ihr gefragt: Wer von euch hatte dieses Buch damals in der Ausbildung oder bei der GST vor der Nase? Welche Prüfung war am schwersten – und konntet ihr das Wissen später bei einer Panne wirklich mal auf der Landstraße anwenden? Schreibt uns eure Geschichten in die Kommentare! 👇

Ein Nachmittag, der nie warChrista Wolfs „Kein Ort. Nirgends" — eine DDR-Erstausgabe von 1979Das Buch in einem SatzChris...
02/06/2026

Ein Nachmittag, der nie war

Christa Wolfs „Kein Ort. Nirgends" — eine DDR-Erstausgabe von 1979

Das Buch in einem Satz

Christa Wolfs Erzählung beschreibt einen einzigen Junitag des Jahres 1804. Ein Haus am Rhein, eine Teegesellschaft, ein Abendspaziergang. Zwei Menschen, die sich an dem Tag nie wirklich in den Raum stellen, sondern an die Fenster halten: Heinrich von Kleist, sechsundzwanzig, gerade aus psychiatrischer Behandlung entlassen, und Karoline von Günderrode, dreiundzwanzig, Stiftsdame und Dichterin, mit einem Dolch im Pompadour.

Das Treffen hat nie stattgefunden. Wolf sagt es im ersten Satz und nennt es „erwünschte Legende". Was sie schreibt, ist kein historischer Roman. Es ist eine Konstellation, die hätte stattfinden können, in der etwas geschieht, was das wirkliche Leben den beiden nie zugestanden hat.

Die zwei Figuren

Kleist ist 1804 auf der Heimreise von der französischen Küste. Er hat dort den Guiscard verbrannt, das Drama, an dem er Jahre gearbeitet hat. Er hat versucht, in französische Dienste zu treten, um den Tod zu finden. Er ist zerrissen, schweigsam, beobachtet die Gesellschaft mit überscharfen Sinnen und denkt unaufhörlich: „Wer bin ich. Lieutenant ohne Portepée. Student ohne Wissenschaft. Staatsbeamter ohne Amt. Autor ohne Werk. Gemütskrank."

Günderrode veröffentlicht ihre Gedichte unter dem Pseudonym Tian und liebt Savigny, der mit der Schwester ihrer Freundin verheiratet ist. Sie hat sich von einem Chirurgen die Stelle unter der Brust mit dem Finger zeigen lassen, an der der Dolch anzusetzen wäre. Sie ist hochmütig, leidenschaftlich, klug bis zur Selbstzerstörung. In zwei Jahren, am 26. Juli 1806, wird sie sich an genau dem Ort, an dem dieser Nachmittag spielt, mit ebendiesem Dolch das Leben nehmen.

Wolf zeigt beide ohne historische Vergoldung. Kleist ist nicht der Klassiker, sondern ein hilfloser junger Mann mit Sprachhemmung. Günderrode ist nicht die romantische Dulderin, sondern eine Frau, die ihre eigene Selbsttötung mit einer Nüchternheit plant, die den Arzt im Raum erschauern lässt.

Die zweite Adresse: 1979

Erschienen ist das Buch 1979 im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar. Drei Jahre nach Wolf Biermanns Ausbürgerung, zwei Jahre nach Christa Wolfs eigener Parteistrafe für die Mitunterzeichnung des Biermann-Protests. Eine Zeit, in der die Schriftsteller das Land verlassen oder lernen zu schweigen: Sarah Kirsch ist im Westen, Reiner Kunze, Jurek Becker, Hans Joachim Schädlich.

Wolf bleibt. Und wählt die Romantik als Tarnung. Jeder Satz funktioniert historisch und gegenwärtig zugleich.

Kleists Diagnose seiner selbst — er beschreibt sich als Maschine, die auf höchste Touren gebracht und zugleich gebremst werde, „der Verschleiß muß erheblich sein, sogar berechenbar" — ist 1804. Sie ist auch 1979. Auf die Frage, wem er solche Meinungen in Berlin anvertraue, sagt er: „Niemandem. Keiner Menschenseele. Da ich mich auf List und Verschmitztheit schlecht verstehe, habe ich schweigen gelernt. Eine schwere, doch lohnende Kunst. Üben Sie sie, ich rate Ihnen."

Wer das Buch 1979 in der DDR las, wusste, wovon hier gesprochen wurde. Und Wolf wusste, dass ihre Leser es wussten.

Das Lachen

Der Höhepunkt des Buches ist kein Kuss und keine Umarmung. Es ist ein Lachen. Auf dem Rückweg, kurz vor der Dämmerung, beginnt die Günderrode ohne Anlass zu lachen. Erst leise, dann laut, aus vollem Hals. Kleist wird angesteckt. Sie halten sich aneinander fest, um vor Lachen nicht umzusinken. „Näher sind sie sich nie als in dieser Minute", schreibt Wolf.

Das gemeinsame Lachen über das eigene Schicksal ist die einzige Form von Verbindung, die ihr Text zulässt. Keine Hoffnung, keine Lösung. Es ist Würde.

Die Erstausgabe als Dokument

Wer das Buch in der ersten Auflage von 1979 in die Hand bekommt, hält etwas Besonderes: einen Text, der im selben Jahr erschien, in dem er geschrieben wurde, im selben Land, das er beschreibt. Kein historischer Abstand zur eigenen Entstehung.

Die 6,60 Mark Ladenpreis stehen noch im Impressum. Die Lizenznummer 301·120/9/79. Das zurückhaltende Aquarell-Cover mit der stillen Rheinlandschaft, gestaltet von Heinz Hellmis. Lichtsatz aus Leipzig, Druck im Sachsendruck Plauen. Spätere Auflagen, westdeutsche Ausgaben im Luchterhand-Verlag, Taschenbuchausgaben geben den Text wieder. Die Lage geben sie nicht wieder.

Der Schluss

„Einfach weitergehen, denken sie. Wir wissen, was kommt." Mit diesen drei Sätzen endet das Buch. Drei Zeitebenen fallen ineinander: Kleist wird 1811 am Wannsee sterben, Günderrode 1806 in Winkel am Rhein, an dem Ort, an dem dieser Nachmittag spielt. Wolf weiß es 1979. Und wir, heute, wissen es auch.

📖 Ein Exemplar dieser Erstausgabe ist gerade im Shop verfügbar — kaum Gebrauchsspuren, sehr guter Zustand.

📄 Wer mehr lesen möchte: Wir haben einen ausführlichen Feuilleton-Artikel zum Buch verfasst (ca. 1.800 Wörter, mit fünf Originalzitaten und literaturwissenschaftlicher Einordnung) — kostenlos zum Download auf der Produktseite.

👉 https://magazin.ddrbuch.de/2026/06/01/kein-ort-nirgends-von-christa-wolf/

https://shop.ddrbuch.de/produkt/kein-ort-nirgends/📖 Wer von euch hatte diesen Klassiker eigentlich auch im Schrank stehe...
02/06/2026

https://shop.ddrbuch.de/produkt/kein-ort-nirgends/

📖 Wer von euch hatte diesen Klassiker eigentlich auch im Schrank stehen?

(Und wer hat sich damals beim Lesen auch die Zähne daran ausgebissen?) 🤔

Für 6,60 Mark stand „Kein Ort. Nirgends“ von Christa Wolf ab 1979 in unzähligen DDR-Bücherregalen. Die DDR war ein echtes Leseland. Aber wir haben nicht nur gelesen – wir waren absolute Weltmeister im „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“!

Auf den ersten Blick ist dieses Buch schwere Kost: Es geht um ein historisches Treffen der Dichter Kleist und Günderrode im Jahr 1804. Doch das war nur die Tarnung für eine versteckte Botschaft. Christa Wolf nutzte die Literatur der Metapher, um gesellschaftskritische Gedanken drucken zu können.

In Wahrheit schrieb sie über uns. Über die späten 70er Jahre in der DDR. Über kluge Menschen, die sehr genau die Widersprüche zwischen dem offiziellen Anspruch des Sozialismus und der echten Wirklichkeit beobachteten.

Das Buch fängt das Lebensgefühl derer ein, die an dieser Diskrepanz litten und das Gefühl hatten, dass es für ihre eigenen, unangepassten Gedanken offiziell keinen Platz gab – eben "Kein Ort. Nirgends".

Ein schwieriges, aber ein unglaublich mutiges Buch, das uns heute noch daran erinnert, wie wichtig es war, den eigenen Kopf zum Denken zu benutzen.

👇 Jetzt seid ihr dran: Wer kennt das Buch noch? Habt ihr es damals verschlungen, oder war es euch zu anstrengend? Wie erinnert ihr euch an das "Lesen zwischen den Zeilen"?

Lasst uns in den Kommentaren diskutieren!

https://shop.ddrbuch.de/produkt/vom-wetteraberglauben-zur-wetterforschung-aus-geschichte-und-kulturgeschichte-der-meteor...
30/05/2026

https://shop.ddrbuch.de/produkt/vom-wetteraberglauben-zur-wetterforschung-aus-geschichte-und-kulturgeschichte-der-meteorologie/

🌧️ Wer von euch kennt noch den berühmten "Hundertjährigen Kalender" von den Großeltern? Oder die alten Bauernregeln zu den Eisheiligen? ☀️

Früher war das Wetter für die Menschen ein echtes Mysterium. Da wurde im Mittelalter bei aufziehenden Gewittern schon mal mit Pfeil und Bogen auf Wolken geschossen, weil man an Dämonen glaubte! 🏹☁️

Wie die Menschheit langsam gelernt hat, das Wetter wirklich zu verstehen – vom alten Wetteraberglauben bis hin zur modernen Vorhersage –, das zeigt dieses fantastische Buch aus der Edition Leipzig.

Wer die Sachbücher aus der DDR kennt, weiß: Hier wurde noch richtig Wert auf Qualität gelegt. Das Buch ist voll von wunderschönen, historischen Holzschnitten, alten Stichen von Instrumenten und faszinierenden Erklärungen. Es liest sich nicht wie ein trockenes Lehrbuch, sondern wie ein echtes Abenteuer der Wissenschaft. 📖✨

Wusstet ihr zum Beispiel, dass der "Hundertjährige Kalender" eigentlich auf reinem astrologischen Unsinn basierte, aber trotzdem ein absoluter Bestseller wurde? Solche und viele weitere spannende Geschichten stecken in diesem Band.

👇 Jetzt seid ihr dran: Welche Bauernregel zum Wetter habt ihr von euren Eltern oder Großeltern gelernt? Und stimmt sie eurer Erfahrung nach? Schreibt es uns in die Kommentare! ✍️

Der Verlag Edition Leipzig produzierte übrigens oftmals sehr hochwertige Ausgaben, häufig auch für den Export in die BRD, um Devisen zu erwirtschaften. Dieser Titel gehörte sicher auch dazu. Das Buch wurde im Schuber verkauft.

🔗 Link zum Buch wie immer ganz oben.

https://magazin.ddrbuch.de/2026/05/29/das-fiasko-von-stanislaw-lem-teil-1/STANISŁAW LEM: DAS FIASKOVolk und Welt, Berlin...
29/05/2026

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STANISŁAW LEM: DAS FIASKO

Volk und Welt, Berlin 1987 — eine Annäherung in zwei Teilen. Teil I

Ein namenloser Pilot setzt auf dem Saturnmond Titan zur Notlandung an, und niemand würdigt das Kunststück. Zwei müde Fluglotsen, Kaffee aus Gefäßen, die an Laborgläser erinnern, ein Schnupfen, der einen der beiden plagt. „Diese Landung hast du ja noch mal sauber hingekriegt", sagt der eine, ohne den Ankömmling auch nur anzusehen. So beginnt der letzte große Science-Fiction-Roman von Stanisław Lem. Ohne Fanfare, ohne Heldenpose. Wer das anders erwartet, hat den Titel nicht gelesen.

Das Fiasko, 1987 im Ostberliner Verlag Volk und Welt erschienen, in der Übersetzung von Hubert Schumann, gehört zu den Büchern, die ihr Ende im Titel tragen. Ob die Expedition scheitert, ist nicht die Frage. Sondern: warum Lem fünfhundert Seiten braucht, um zu zeigen, dass dieses Scheitern aus der Vernunft selbst kommt.

Ein Spätwerk und ein Abschied

Als der Roman erschien, war Lem über sechzig und längst Weltautor. Er entstand als Auftragsarbeit für den S. Fischer Verlag, der dem in Wien lebenden Lem einen großzügigen Vorschuss bot. Das polnische Kriegsrecht hatte ihn ins Exil getrieben. Es wurde sein letzter SF-Roman. Danach schrieb er nur noch philosophische Essays.

Auch das Erscheinungsjahr in der DDR ist auffällig. 1987 war ein Jahr des verhaltenen Hoffens. Die Entspannungspolitik schien zu greifen, die Reformierbarkeit des Sozialismus stand zur Debatte, der Untergang war noch undenkbar. In dieses Klima legte Volk und Welt, der mit Abstand interessanteste Lizenznehmer für Weltliteratur in der DDR, das finsterste Buch seines Autors.

Sechs Kapitel, sechs Ebenen des Scheiterns

Die erste Hälfte des Romans ist mit einer Strenge gebaut, die man erst beim zweiten Lesen ganz ermisst. Ein junger Pilot übernimmt freiwillig eine Suchmission in der Großen Depression des Titan. In schreitenden Maschinen, sogenannten Diglatoren, sind Männer verschollen, darunter der legendäre Kommodore Pirx. Der Pilot marschiert durch eine Landschaft aus mineralischen Trugbildern, die wie Knochen und Schädel aussehen, ohne je etwas Lebendiges gewesen zu sein. Schließlich erreicht er den titelgebenden Wald von Birnam: einen Geiserwald aus porzellanartigem Schnee, der wächst, bricht und sich um die Maschine schließt. Eingeschlossen drückt er am Ende den Knopf des Vitrifikators, einer Anlage, die den Menschen in Sekunden einfriert.

Beiläufig fällt der Name des Piloten: Angus Parvis. Ein Fluglotse denkt, ohne es auszusprechen, er müsste eigentlich Parsifal heißen. Denn das Bergwerk, zu dem alle wollen, trägt den Namen Gral. Der Gralsritter als Frachtpilot, der heilige Gral als Uranbergwerk — Lem benennt damit das mythologische Programm des ganzen Romans in einem einzigen verschwiegenen Witz.

„Nicht Parvis, sondern Parsifal müßte er heißen, denn das hätte zum Gral gepaßt."

Pirx oder Parvis — die Frage, die der Roman nicht beantwortet
Jahre später, auf einem interstellaren Raumschiff namens EURYDIKE, erwacht jemand aus dem vitrifizierten Schlaf. Er hat keinen Namen. Sein Gedächtnis ist da, sein Fachwissen, sein Charakter. Den eigenen Namen findet er nicht. Er könnte der legendäre Pirx sein, jene Figur, die Lems Leser aus den frühen Erzählungen kennen. Oder er ist Angus Parvis, der junge Pilot des ersten Kapitels, der genau Pirx' Fehler wiederholte. Lem verweigert die Auflösung mit großer Konsequenz. Eine halbverbrannte Brieftasche gibt nur einen Anfangsbuchstaben her, ein P, fünf bis acht Buchstaben dahinter. Beide passen.

Was bleibt von einem Menschen, wenn ihm Name, Vergangenheit und Gewissheit genommen sind? Es bleibt der Charakter, und es bleibt der Traum.

„In seinen Träumen war er immer noch der Mann, der in den Wald von Birnam gegangen war."

Das Schweigen des Universums

Über allem liegt Lems großes Thema, das er hier ein letztes Mal gründlich verhandelt: Warum schweigt das Universum? Die Antwort des Romans ist nüchtern. Zivilisationen entstehen, reifen und verschwinden schneller, als man mit ihnen kommunizieren könnte. Das „Fenster des Kontakts" ist, kosmisch gesehen, nur ein Augenblick. Die EURYDIKE will eine Zivilisation darin erwischen, bevor sie wieder daraus entkommt.

Doch der Planet Quinta, den die Expedition erreicht, sendet keine Botschaft. Er verhält sich nur. Kältefelder von der Größe Australiens, Plasmafeuer auf seinem Mond, ein Eisring aus Milliarden Tonnen Meerwasser auf falscher Umlaufbahn. Niemand kann das deuten. Die Führung delegiert daher die Entscheidung vollständig nach unten: völlige Handlungsfreiheit für die Kundschafter. Genauso wie der Fluglotse Gosse dem Piloten auf dem Titan riet, „sich ein bisschen umzuschauen". Damit sind wir, im Grunde, wieder am Anfang.

Ausblick

Damit endet die erste Hälfte des Romans und mit ihr der erste Teil dieser Annäherung. Der HERMES, das Kundschafterschiff, ist im Zeta-System angekommen. Was nun folgt, ist der eigentliche Versuch des Kontakts, und seine Konsequenz. Davon handelt der zweite Teil.

→ Ein umfangreicher Feuilleton-Artikel zu diesem Werk sowie eine Tiefenanalyse ist jetzt in unserem Literatur-Magazin verfügbar:

https://magazin.ddrbuch.de/2026/05/29/das-fiasko-von-stanislaw-lem-teil-1/

https://shop.ddrbuch.de/produkt/das-fiasko-4/🚀 Schmierfett, Hydraulik und die Tücken der Bürokratie im All – Stanisław L...
28/05/2026

https://shop.ddrbuch.de/produkt/das-fiasko-4/

🚀 Schmierfett, Hydraulik und die Tücken der Bürokratie im All – Stanisław Lems letztes Meisterwerk! 📚🔧

Liebe Bücherfreunde,
wenn wir an Science-Fiction denken, stellen wir uns oft saubere Raumschiffe und fehlerfreie Computer vor. Doch der Meister der utopischen Literatur, Stanisław Lem, sah das in seinem 1987 erschienenen Roman Das Fiasko ganz anders!

Blicken wir auf diese wunderschöne Vorzugsausgabe aus dem buchclub 65 (gedruckt im Karl-Marx-Werk Pößneck!). Lem wirft uns darin in eine Zukunft, in der Technik noch richtig hartes Handwerk ist. Die Piloten auf dem Saturnmond Titan fliegen keine Automaten, sondern steuern gigantische "Diglatoren" – tonnenschwere, ölverschmierte Laufmaschinen, deren Hydraulikzylinder donnern und die von Menschen mit echtem Schweiß und Mut kontrolliert werden müssen.

Doch das wahre "Fiasko" sind oft gar nicht die feindlichen Naturgewalten. Lem beschreibt mit herrlicher Ironie, wie selbst die großartigsten Sternenmissionen an Schlamperei, verschlampten Daten und dem ewigen Kompetenzgerangel zwischen verschiedenen Abteilungen scheitern. Kommt einem das vielleicht ab und zu auch ganz irdisch bekannt vor? 😉

Bemerkenswert: Inmitten all dieser hochtechnisierten Weltraumreise findet der Held des Buches seinen größten Trost in einem alten, echten Buch aus vergilbtem Papier mit spürbaren Buchbindernähten. Ein wunderbares Plädoyer für das analoge Erlebnis, das wir hier so schätzen!

Habt ihr Das Fiasko damals gelesen? Und was reizt euch mehr an alter Sci-Fi: Die visionären philosophischen Gedanken oder die herrlich "handfeste", reparierbare Mechanik der beschriebenen Maschinen? Lasst uns in den Kommentaren diskutieren! 👇

https://shop.ddrbuch.de/produkt/naseweis-sucht-himbeereis-2/Na, wer von euch hat heute bei der Hitze ☀️auch Lust auf ein...
27/05/2026

https://shop.ddrbuch.de/produkt/naseweis-sucht-himbeereis-2/

Na, wer von euch hat heute bei der Hitze ☀️auch Lust auf ein echtes Moroschenoje? 🍦🇷🇺

In dem wunderbaren Kinderbuchklassiker „Naseweis sucht Himbeereis“ (1983) von Liesl Richter und der unvergesslichen Illustratorin Christine Klemke geht es genau darum! Der kleine Frechdachs Naseweis hat an einem heißen Herbsttag nur ein Ziel: Himbeereis.

Doch bevor er an die süße Abkühlung kommt, trifft er auf ein echtes DDR-Alltagsphänomen: Die "Eis-Schlange"! 🐍 Im Buch wird sie herrlich humorvoll als kunterbuntes Ungeheuer beschrieben, aus dem Hunde, Regenschirme und Einkaufsnetze herausragen. (Wer kennt's noch? Das Netz war ja ohnehin immer in der Tasche, falls es mal spontan Bananen oder eben gutes Eis gab! 😉)

Um dem Warten zu entgehen, fliegt Naseweis kurzerhand bis tief in die Sowjetunion, lernt, dass das Gas für unsere Eierkuchen auf dem Berliner Gasherd direkt aus der eisigen Taiga kommt, und bekommt am Ende bei den Tschuktschen am Nordpol sein wohlverdientes Moroschenoje – serviert als riesige Eistorte! 🎂

Ein fantastisches Stück Kinderliteratur, das ganz nebenbei Erdkunde, Technik und eine dicke Portion Sehnsucht nach echtem Naturgenuss und analoger Fantasie vermittelt – ganz ohne Smartphones, dafür mit einem cleveren "Bauch-Computer" der Puppe Blauäuglein.

👉 Habt ihr euch früher auch für das begehrte "Russeneis" in die Schlange gestellt? Welches Eis war euer absoluter Favorit? Schreibt es uns in die Kommentare! 👇

📚 Wer diesen wunderbaren, top erhaltenen Nostalgie-Schatz für sich oder die Enkel nach Hause holen möchte, findet das Buch ab sofort in unserem Shop. Der Link ist ganz oben.

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Zschopauer Straße 418
Chemnitz
09127

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