14/06/2019
Neuer Prototyp im Feldtest. Was Südafrika überlebt, das funktioniert überall.
Die ehrlichste Bogenjagd ist traditionell.
Es ist 13:30 Uhr. Mein Telefon klingelt – WhatsApp von meinem Sohn. „Dein Paket von Manfred ist da.“. Manfred ist Manfred Kaufmann von Styrian Archery. Im Paket ist ein neuer Bogen. Normalerweise könnte das bis abends warten. Aber was ist normal, wenn die Jagd in Südafrika in vier Wochen beginnt? Auf keinen Fall ein neuer Jagdbogen! Ich fahre den Rechner herunter, sage kurz im Sekretariat Bescheid und bin eine halbe Stunde später zu Hause.
Normalerweise schieße ich traditionell einen „Black Furius“ (http://www.styrian-archery.com/pd/565/Carbon-Recurvebogen-Black-Furious). Es ist ein toller Bogen. Mein Exemplar ist einer der Prototypen, den ich nach dem Test nicht zurückgegeben habe, konnte mich einfach nicht wieder davon trennen. Sein einziger „Nachteil“ – es ist ein Einteiler. Aber da hatte doch Manfred bei meinem letzten Besuch in Graz etwas von einem ILF-System erzählt, das er in der Entwicklung hat.
Eine kurze Mail bringt Klarheit. „Das geht sich gut aus. Wir sind gerade mitten in der Fertigung der ersten Charge. Hätte da noch einen Prototypen, den könnte ich Dir schicken.“ Und genau diesen packe ich jetzt aus. Formschön wie immer, sauber verarbeitet - nichts anderes hatte ich erwartet. Styrian Archery wird perspektivisch auch eigene Wurfarme aus Vollcarbon produzieren. Dabei sind vorerst HX10 von UUKAH, die schnell drangesteckt sind. Als Tiller nehme ich erst mal reichlich null. Die Sehne aufgezogen, auf 8 Zoll Standhöhe eingedreht, der Nockpunkt auf 10mm gesetzt und ab geht es zum Parcours (http://camburger-bogenschuetzen.de/?page_id=265).
Zum Glück ist der Einschießplatz leer – freie Bahn zum Testen. Das schwere Mittelteil liegt gut in der Hand, der Auszug ist gleichmäßig und angenehm weich. Trotzdem bleibt genügend Rückmeldung, um die Kraft zu spüren. Ich hatte, durch den extremen Recurve, eine gewisse „Schwammigkeit“ im Vollauszug befürchtet, aber diese ist zum Glück nicht da. Ich schieße ein Dutzend Pfeile und überprüfe die Standhöhe. Die Whisperstring hat sich kaum gesetzt, ich ändere nichts.
Als Pfeile habe ich ein Sortiment mit einem Spinewert zwischen 300 und 340 dabei, deren Gewichte zwischen 550 grn und 700 grn liegen. Alle fliegen ordentlich. Das beste Trefferbild mit der Feldspitze bringt ein 320er mit 650 grn. Der soll es werden, wenn er das auch mit der Jagdspitze bestätigt.
Bei den Jagdspitzen mache ich keine Kompromisse. Ich habe Verschiedenes getestet, sowohl Zwei- als auch Dreischneider unterschiedlicher Firmen. Für mich bleibt die Silverflame https://german-kinetics.com/Silverflame-Broadheads die erste und einzige Wahl. Auch heute bestätigen sich die Erwartungen. Das Trefferbild bleibt eng, wie es war. Mit etwa 250 grn an der Spitze quittiert der Pfeil den Treffer mit einem dumpfen PLOPP.
Auf einen Rohschafttest, Papiertest, Variationen des Tillers oder was man sonst noch alles machen könnte (oder sollte?) verzichte ich. Wozu auch? Der Pfeil fliegt wie an der Schnur gezogen, ich kann das alles nur verschlimmbessern. Außerdem habe ich weder Rohschaft noch Papier.
Ready to hunt! Jetzt gilt es nur noch, das technische Niveau zu halten. Tägliches Training ist angesagt.
Es soll meine zehnte Jagdreise ins südliche Afrika werden. Nach drei Jahren Namibia geht es diesmal wieder nach Südafrika. Der Jagdanbieter „Stöger Jagdreisen“ ist neu für mich, der bisherige Kontakt klingt vielversprechend. Die 12.000 Hektar Jagdgebiet im Highveld (www.stoeger-jagdreisen.de/jagdländer/südafrika-highveld) sind wildreich und wenn das nicht reicht, dann gibt es noch Konzessionen in anderen Gegenden. Auf meiner Wunschliste steht eine Rappenantilope (Hippotragus niger). Alles andere wird sich ergeben. Nicht die Beute ist entscheidend mit dem traditionellen Bogen, sondern die anspruchsvolle Jagd.
Ich werde berichten. Coming soon.