04/11/2019
Nachruf auf Prof. Dr. Dr. Joseph (Sepp) Duss-von Werdt
von Bernhard Böhm
Wir trauern um unseren langjährigen Freund, persönlichen Mentor und Inspirator Prof. Dr. Joseph (Sepp) Duss-von Werdt. Er starb einen Tag nach seinem 87. Geburtstag friedlich am 25. Oktober 2019 nach längerer Krankheit in Luzern. Mit seinem Wortwitz, seinem Humor, seiner Ruhe und seinem Charme wird er uns für immer in Erinnerung bleiben.
Er prägte wie kaum ein zweiter im deutschsprachigen Raum ganze Generationen von Mediatorinnen und Mediatoren. Auch wenn er diese Zuschreibung wahrscheinlich weit von sich weisen würde. Denn ich erlebte ihn stets demütig und bescheiden. Sich in den Vordergrund drängen hatte er nicht nötig.
Joseph Duss-von Werdt philosophierte und befasste sich viel mit dem „homo mediator.“ Er selbst, so sagte er mir, fand den Zugang zum „homo mediator“, als er entdeckte, dass er Gegensätze nicht mag. Seine innere Haltung war es, die ihn als Mediator auszeichnete. Er musste nicht reden, sondern konnte schweigen. Und war damit kraftvoller als diejenigen, die viel reden. Oder sich selbst am liebsten zuhören.
Er fand es spannend und interessierte sich dafür, worüber die Medianden schweigen: „Ich habe sie auch oft danach gefragt: Worüber schweigen Sie gerade? Und ich habe gesagt, wenn Sie über dasselbe schweigen, dann könnten Sie auch darüber reden.“
Sepp wollte immer zum Nachdenken anregen, und nahm dies auch für sich in Anspruch. Als ich ihn einmal darauf ansprach, dass eine Bibliothek gar nicht so groß sei, wie ich vermutet habe, sagte er mir, er denke lieber nach, als aus mehreren Büchern ein weiteres zu schreiben.
Ganz so war es selbstreden nicht. Er stöberte gerne durch Bücher, historische vor allem. Denn einer seiner großen Verdienste war es, sich mit der Geschichte des „homo mediators“ der letzten Jahrtausende zu befassen. Dabei musste er sich einiges an Kritik anhören. Denn Mediatorinnen und Mediatoren unserer Zeit hätten nicht viel gemein mit ihren historischen Urahnen und Vergleiche seien meist weit hergeholt. Die Kritiker, so denke ich, haben nicht verstanden, worum es Joseph Duss-von Werdt ging.
Sein Anliegen war vielmehr, zu informieren, zum Nachdenken anzuregen, Widersprüche zu fördern und zu fordern. Und verschlungene, überraschende, sichtbare und unsichtbare Spuren des „homo mediators“ aufzuzeichnen. So zeigte er uns ein Labyrinth der Mediationsgeschichte. Er beleuchtet Wege und Irrwege. Dabei ging es ihm nicht um die „Mediationstechnik“ oder das „Phasenmodell“, sondern um die Suche nach einem „verbindenden Band“ über die Jahrhunderte. Und er fand dieses häufig in der Haltung der „hominum mediatorum“. So schaffte er mit seinem Rückblick neue Ausblicke.
Sepp sagte einmal, nicht Konflikte, sondern der Umgang mit Konflikten seien sein Thema. Was passiert mit uns, wenn wir ihnen Platz geben oder den Platz nehmen? Sein Thema sei nicht das im Konflikt innewohnende „Böse“. Vielmehr gehe es ihm darum, wie wir Ressourcen und Potentiale von Konflikten schätzen lernen.
Die Hoffnung hat er nie verloren. Denn Mediation, so Sepp, habe immer etwas mit Hoffnung zu tuen. Sie basiert auf Verständigung, aufeinander Zugehen, Vertrauen. Wenn wir diese Gesinnung hätten, dann wären wir mehr auf der Seite des Friedens.
Ruhe in Frieden, lieber Sepp!